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  Mit Verrat wird Iraks Freiheit nicht erkauft

Die britische Arbeiterbewegung sollte vermeiden, Rat von Iraqis zu nehmen, die Hand in Hand mit den Besetzern zusammenarbeiten

Sami Ramadani

Mittwoch 27. Oktober 2004

The Guardian

 

http://www.guardian.co.uk

 

Iraqis, welche sich für das Ende der Besetzung unseres Landes einsetzen, waren geschockt, als sie die harte Kritik hörten, welche durch die Leader der Gewerkschaft Unison und anderer Gewerkschaften in der Anti-Kriegs-Koalition erhoben wurden. Es muß auch eine Quelle der Bestürzung sein für die vielen Tausend Gewerkschafts- und ArbeiteraktivistInnen, die den Krieg der Aggression auf Irak konsequent opponierten, und, sich weiterhin dafür einsetzen, die Truppen nach Hause zu bringen.

 

Diese unwillkommene Umleitung folgt der Arbeiter-Konferenz, die beschließt, den Aufruf für ein frühes Datum abzulehnen, dass für den Abzug der britischen Truppen aus Irak gesetzt werden sollte. Die Abstimmung war ein Schlag gegen den Kampf der irakischen Leute für Befreiung und Demokratie. Er erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt während der mörderisch mitleidlosen Besetzung unseres Landes. Britanniens Rolle ist vielleicht militärisch nicht entscheidend, aber die Unterstützung durch Grossbritannien ist wichtig, da es für die Bush Administration das Feigenblatt darstellt, welches so verdammt wichtig ist um die amerikanischen Leute zu überzeugen, daß es internationale Unterstützung für die US-amerikanische Kriegspolitik gibt. Tonys Blair's Propagandawert für die USA bedeutet, daß ein britischer Truppenabzug eine riesige Wirkung auf die US-amerikanische Öffentlichkeit hätte. 

 

Das, was viele Besetzungsgegner in Irak erschrocken hat, ist, dass Stop the War, die größte Anti-Kriegs-Massenbewegung, die England je gesehen ist, für ihr Sektierertum kritisiert wurde. Und dies, weil sie es ablehnt, es sich bei einer Organisation gemütlich zu machen, die sich als Anti-Besetzungs-Rat der Gewerkschaften in Irak maskiert. 

 

Ausserhalb von Irak bezeichnet sich diese Organisation als Iraqi Federation of Trade Unions (IFTU), benutzt aber innerhalb des Landes den gleichen Namen (General Federation of Workers Trade Unions in Irak GFWTUI) wie die ‚gelben’ Gewerkschaften, welche durch Saddam Hussein organisiert worden sind. Paul Bremer, der bis zu diesem Sommer durch Präsident Bush eingesetzte Pro-Konsul in Irak, segnete schließlich die Entscheidung seines irakischen Leitenden Rates, eine von mindestens zwei Organisationen anzuerkennen, die behaupten, die Formen des GFWTUI anzunehmen, (und folgedessen die legale Kontrolle über ihre massiven Vermögenswerte und individuellen Gewerkschaften zu haben). Diese Erscheinung ist keine andere als die IFTU von heute. Aber natürlich ist es nicht der einzige Gewerkschaftsverband, noch wird er von den meisten Leuten erkannt, die versuchen, unabhängige Gewerkschaften als ihre Vertreter zu schaffen. Diese schließt die Ölarbeiter-Gewerkschaft in Basra und den Verband der Arbeiterräte und Gewerkschaften mit ein.

 

Die Frage ist, warum die Besetzungsbehörde entschied, den IFTU als einzigen Verband in Irak anzuerkennen. Die Antwort ist, dass die meisten IFTU-Leader der irakischen kommunistischen Partei angehören, die unter dem britisch- auferlegten Regime in den 1950s und danach eine stolze Akte hatte, aber den Fehler machte, in den 70er Jahren in die Regierung mit Saddams Ba'ath-Partei zu gehen, und inzwischen seit den frühen 90er Jahren seine Orientierung ganz verloren hat. Innerhalb von drei Monaten nach der Invasion schwenkte die Kommunistische Partei von ihrer bisherigen Politik um zu einer aktiven Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht, und nahm teil an Bremer's Regierendem Rat. Heute hat die Partei einen älteren und zwei jüngere Minister im ehemaligen CIA-Aktivposten von Ayad Allawi's Regime. Allawi, ein ehemaliger älterer Saddamist, führt eine CIA-finanzierte Organisation, die irakische National Accord, zusammengesetzt aus früheren regierungstreuen Saddam-Anhängern in den Streitkräften und Sicherheitsdiensten. Diese kontrollieren jetzt die Hauptministerien der Verteidigung, der inneren und nationalen Sicherheit. 

 

Allawi's Partei und die Irakische Kommunistische Partei ICP, deren Leiter vor kurzem in der Financial Times als "idealer Partner der U.S.A. in Irak" beschrieben wurde, sind nun enge Verbündete. Also die Anstrengungen des IFTU, Blair's misslungenen Versuch zu unterstützen, Allawi einzuladen, sich an die Labour-Konferenz zu wenden. Das hätte die Gewerkschaften und die Labour-Delegierten warnen sollen, welche Rolle die IFTU spielt und der Weg, den die Blair-Regierung benützt.

 

Abdullah Muhsin, der internationale Vertreter des IFTU, führte die Kampagne, Allawi einzuladen und plädierte bei den Gewerkschaften und Labour Delegierten, den Aufruf für einen frühen Rückzug der Britischen Streitkräfte aus Irak nicht zu unterstützen. Obwohl er dies bestreitet, wurde seine Opposition gegen den Konferenzbeschluss für ein frühes Rückzugsdatum in den täglichen Parteiinformationen der Delegierten veröffentlicht und bereits vor der Debatte überall verteilt. 

 

Muhsin regte sich über diese Anschuldigungen bezüglich der Zusammenarbeit auf. Ich jedenfalls wäre froh, einen gefühlsbetonten Begriff zu finden, wenn jemand eine treffendere Beschreibung einer Organisation vorschlagen könnte: sie bekommt Unterstützung von den Besatzungsautoritäten und wird gegenüber allen anderen Gewerkschaften und den Verbänden bevorzugt; setzt sich nicht innerhalb Iraks gegen die Besatzung ein; sagt kein Wort über den wirklichen Regenten in Saddams Republikanischem Palast in Baghdad, US-Botschafter John Negroponte; all jene als Terroristen bezeichnet, die sich der Besatzung widersetzen und wie ein Papagei wiederholt, was Bush und Blair in ihrem Porträt des populären Widerstands gegen die Besatzung in den gleichen Topf werfen wie die kriminellen Taten eines Raufbolds wie Zarqawi; die Verlängerung der Besatzung unterstützt durch seinen Widerstand gegen ein früheres Datum für den Abzug der Truppen; aktiv ein von den Besatzungsbehörden auferlegtes Marionettenregime unterstützt, welches gemäss einem Bremer-Dekret,  ein Gesetz  von Saddam aus dem Jahr 1987, das Streiks und Gewerkschaften im staatlichen Sektor verbietet, wieder aktiviert; und sich nicht einsetzt gegen die usa-amerikanische Bombardierung irakischer Städte.

 

Jetzt ist es publik geworden, dass der IFTU in Diskussionen mit dem britischen Rat über die Annahme von Geldmitteln von der britischen Regierung gewesen ist – welche in unser Heimatland eingedrungen ist, und es eingenommen hat – um seine Aktivitäten in Irak zu unterstützen. 

 

Statt sie des "kulturellen Imperialismus anzuklagen", sollten Muhsin und der IFTU jene in Britannien grüssen, welche die Rechtmäßigkeit des Widerstandes der irakischen Leute gegen einen illegalen Krieg und eine Besatzung anerkennen, und sie sollten ihre Verwicklung mit den Besatzungsbehörden beenden.

 

Gewerkschaften und Antikriegs-AktivistInnen sollten dieses letzte Ablenkungsmanöver zurückweisen, wie Tony Woodley von der Transportgewerkschaft empfahl, sie sollten den Druck zum Britischen Truppenrückzug erhöhen und den Kampf der irakischen Leute für Freiheit und Demokratie unterstützten. In Anbetracht der Argumente der IFTU-Leader zur Unterstützung des durch die USA installierten Allawi-Regimes, denken wir an den Slogan, der von Iraqis gesungen wird, wenn sie sich in der Nähe der durch amerikanische Bombardierungen zerstörten Häuser versammeln, nachdem ihre Tränen für die Toten und Verletzten dem Ärger Platz machen. Es verdammt Allawi sowohl als Feigling als auch als Agent der U.S.A.: "Ya Allawi ya jaban, ya ameel il-Amreekan"! 

 

Sami Ramadani war ein politischer Flüchtling vor Saddam Husseins Regime und ist Dozent an London Metropolitan University

sami.ramadani@londonmet.ac.uk