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Southern Oil Company SOC Arbeiter gewinnen in Irak


Ein Bericht von Ewa Jasiewicz, Occupation Watch (OW) im besetzten Basra
Veröffentlicht hier am 06.02.04
SOC-Arbeiter gewinnen ihren Kampf für höhere Löhne!
Bremer's Befehle boykottiert! Aufstand des Öffentlichen Sektors erwartet.

Abkürzungen in diesem Bericht ;
( Coaltion Provisional Authority- CPA , Governing Council - GC , Southern Oil Company- SOC , Occupation Watch- OW , Occupation Authority- OA , ID irakischen Dinars )

Southern Oil Company Arbeiter gewannen diesen Monat, untermauert mit der Drohung eines bewaffneten Streiks, ihren dreimonatigen Kampf für höhere und faire Löhne. Alle Ölsektorarbeiter in Irak werden jetzt die ausgehandelte Lohnskala des SOC erhalten. Die Einheit, Solidarität und Unterstützung der Ölsektorarbeiter in den zentralen und nördlichen Feldern in Kirkuk, Baaji und Bagdads Daurra waren der Schlüssel zum diesem Sieg. Plus die Tatsache, daß der Coaltion Provisional Authority CPA/Governing Council GC stark abhängig von der Ölproduktion und vom Export durch SOC ist, Iraks größter und gewinnbringendster Ölgesellschaft, gefolgt von der Außerkraftsetzung der Ölfelder im Norden Iraks als Folge der kontinuierlichen Attacken auf Pipelines und Stationen. Die einzigen Erdölgesellschaften, welche Mineralöl von Irak exportieren, sind im Moment die SOC und die Basra Oil Company.

Im Dezember 2003 erzählten Gewerkschaftsvertreter der Occupation Watch, sie hätten bereits letzten Monat den Arbeitern gesagt, sie sollten einen Teil ihres Lohnen aufbewahren im Falle dass es zu Streikaktionen kommen würde. Als die SOC-Arbeiter sahen, daß ihre Löhne von der Besetzungsadministration (Occupation Authority OA) gemäss der durch Paul Bremer signierten Order 30 zu den Anstellungsbedingungen der Staatsangestellten eingeteilt wurden, und daß diese Löhne niedriger als die Notfallzahlungen waren, welche der OA nach dem Regimesturz bezahlt hatte, beschlossen sie, ihre eigene Lohnskala, basierend auf Marktpreisen, zu bilden, einschließlich des Preises von Brennstoff, Benzin, Miete und Nahrungsmitteln, Arbeitsplatz und Berufsrisiko. Die Lohnskala des OA kürzte alle Familien-, Risiko- und Arbeitsplatzzulagen, dank denen die Arbeiter unter dem Regime überlebt hatten. An jedem Arbeitsplatz, den Occupation Watch OW besuchte, klagten die Arbeiter über ihre niedrigen, späten und schwankenden Löhne sowie über die Streichung all ihrer Überlebenszahlungen und Subventionen, welche die Arbeiter und ihre Familien bisher erhalten hatten.

Die Lohnskala der SOC- Gewerkschaft forderte, den Mindestlohn für einen irakischen Ölarbeiter bei 155‘000 ID ($100) pro Monat anzusetzen, mehr als das Doppelte der durch die Besetzungsmacht gesetzten 69‘000 ID, (aktueller Wert $50-55) - ein Anstieg von 84‘000 ID. Die SOC- Skala wählte aus den 130 Positionen und 13 Levels der CPA Verwaltung zwei ganze Levels und 20 Positionen aus. Die Gewerkschaft überzeugte ihr Management und den Generaldirektor, ihre Forderung nach der während dem letztmonatigen zweitägigen Meeting erarbeiteten Lohnskala zu unterstützen. Die Gewerkschaft verstärkte ihre Forderungen indem sie erklärte, daß die Arbeiter sich am bewaffneten Widerstand beteiligen würden, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Dies veranlasste den Ölminister persönlich nach Basra zu reisen und sofort Verhandlungen mit Gewerkschaftsvertretern zu beginnen.

Das Ergebnis war, dass der niedrigste Mindestlohn für die Erzeuger von Iraks Reichtum, die Ölarbeiter, - das Herz, das Iraks wirtschaftliches Herzblut pumpt -, jetzt bei 102‘000 ID pro Monat liegt, was einen Anstieg von 33‘000 ID bedeutet. Die ganze Lohnskala beginnt jetzt bei Level Neun und all jene, welche Level Neun hätten erhalten sollten, werden nun auf Level Acht angehoben, welches bei 120'000 ID ($85) startet und bei 155'000 ID ($110) endet. Das Maximum, das ein ungelernter Arbeiter verdienen kann, ist 328‘000 ID ($250) pro Monat, der Schluss von Level Fünf. Level Fünf und höher umfasst Techniker und Arbeiter mit Diplomen. Level Vier erhalten Arbeiter mit mehr als dreißig Jahren Erfahrung, und alle höheren Levels sind für ältere Techniker und Ingenieure und Management reserviert.

Aber warum das Zugeständnis für den niedrigsten Minimallohn? Warum nicht 155‘000 ID als Minimum? 102‘000 ID sind kaum existenzsichernd . Die niedrigste Miete in Basra beträgt 25‘000 pro Monat, (die meisten Leute bezahlen 50‘000), da bleiben etwas weniger als 20‘000 pro Woche (ungefähr 3000 ID pro Tag), für Essen, Schulbücher, Benzin, Brennstoff, Auto, Wasser, Zigaretten und andere unerwartete Bedürfnisse. Ein 4-5-Liter-Kanister mit Trinkwasser von der UNO kostet 250 ID. Ein kleines Huhn kostet 3‘500 ID, 1 kg Äpfel oder Orangen (6) kostet 750, Kartoffeln (6) 500, ein Sack mit Brot (5 Stück) 250, Tomaten (6) 500 (in Bagdad kostet ein Kilo Tomaten aufgrund der hohen Transportkosten 2000 ID), ein Kanister Benzin kostet ungefähr 2000 ID. Ein Paar Lederschuhe für Erwachsene kosten 20‘000 ID, 500 ID ein Paar Socken, das billigste Familienshampoo 750 ID. Eine Familie kann mehr schlecht als recht überleben wenn sie einfaches Essen im Multipack einkauft, aber es ist beinahe unmöglich Geld zu sparen oder Geld zu haben für ein Geschenk oder eine Reise oder ein neues Kleidungsstück. Die meisten Leute leben von der Hand in den Mund und dies gilt nur für diejenigen Glücklichen, welche eine Arbeit haben – schätzungsweise 70% der 10 Millionen Arbeitslosen haben einen größeren Existenzkampf.

Der Besatzungs-Lohnskala zufolge verdienen über ein Drittel (35%) der im öffentlichen Dienst tätigen Irakerinnen und Iraker 69‘000 bis 155‘000. 10% - auf Manager- und Verwaltungslevel - erhalten 574’000 bis 920’000.

Warum also dieser Kompromiss? In der Tat ist es dies nicht. Risiko- und andere Zulagen sind auch in die Berechnung einbezogen worden, und eine weitere 18-30% Zahlung ist an der Spitze der Skala eingeschlossen. Dies bedeutet, daß alle aufgelisteten Löhne potentiell 30% höher sind entsprechend der Lage des Arbeitsplatzes, sei dieser z.B. in der Wüste, in abgelegenen Gebieten oder gefährlichen Regionen. Ob Nord Rumeilla, das in beiden Golfkriegen durch gebrauchtes Uran kontaminiert wurde, als Risiko-Arbeitsplatz angesehen wird, ist noch offen, aber die Gefahr, der sich die Arbeiter in den Tonnen von radioaktivem Atommüll, die zum Vormarsch der US/UK-Truppen benutzt wurden, aussetzen, ist unmittelbar, schwer und lebensgefährlich.

Über den Sieg sagte Hassan Jum'a, Vorsitzender der SOC Gewerkschaft: „Wir waren sicher, dass wir siegen würden. Unser Sektor ist der best organisierte in ganz Irak, und wir sind von den Arbeitern selbst gewählt worden.“

Bezüglich der Wirkung des Sieges auf den sich zuspitzenden Kampf im Elektrizitätssektor meinte Jum'a: „Zuerst der Ölsektor, dann werden die anderen Sektoren folgen, bald wird es sich verändern, der Einfluss wird sich bemerkbar machen.“ Samir Hanoon, Vizepräsident des Verbandes irakischer Gewerkschaften, sagte, daß er vom Ergebnis begeistert sei, und daß es sehr gut war und schon eine positive Wirkung auf die Verhandlungen der Elektrizitätsgewerkschaften für höhere Löhne zeigte. „Bald werden wir die nächsten sein. Unsere Verhandlungen wurden damit unterstützt, und sie laufen gut“, erzählte er der OW. Der Aufstieg der irakischen Arbeiter bedeutet ein Zurück Stutzen der Ausbeutungsambitionen der Besatzungsadministration und einen Schlag gegen die regelmäßig verbreitete Nachricht, in Irak gebe es jetzt die billigsten Arbeitskräfte im ganzen mittleren Osten.

Die regionale Besatzungsadministration, CPA South, behauptete, nichts über die neue Lohnskala zu wissen, die SOC-Arbeiter damit verwirrend, dass sie den im September angeordneten CPA nun im Dezember in farbigen Broschüren druckten, welche die Arbeiter lesen sollten und verstehen, warum es normal für sie sei, mit Sklavenlöhnen bezahlt zu werden.

Alles in allem zeigt der Mut der irakischen Ölarbeiter, dass sozialer Widerstand gegen die Besatzung und ihre Diktatoren lebendig und am Brennen ist und bereit ist für Gerechtigkeit in Irak zu kämpfen, sie schaffen es, dass der kommandierenden Minister ihre Macht und ihre Forderungen anerkennen muss. Hanoon nimmt dies nicht als ein Endresultat, aber als ein erster Sieg auf einer langen Reise, ein Aufbruch aus den Jahrzehnten des Schweigens, der Gewalt und der Morde unter der Baath- Gewaltherrschaft. Und es ist auch ein erster Schritt in einem sozialen Kampf, unternommen vor allem um das Bewusstsein und die Zuversicht der Arbeiter zu wecken, welche durch das Baath- Regime gebrochen wurde, damit sie realisieren, dass sie selber die Waffe sind im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung durch die Besatzungsmächte.


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